BERLIN KULTOUR – GUIDED TOUR THROUGH THE PAST – NOW & FUTOUR OF BERLINS HEART

EINE HISTORISCH KULTURELLE FÜHRUNG DURCH DAS HERZ VON BERLIN

Letzten Samstag wurde ich zu einer netten Tour durch meinen Bezirk eingeladen. Je älter man wird, umso mehr interessiert sich unsereiner schließlich für geschichtliche Themen und findet es auf einmal wichtig, zu erfahren, warum Berlin überhaupt Berlin heißt, wieso es das Scheunenviertel gibt, welche Kurfürsten und Könige aus dem 17./18. Jahrhundert zum noch heute sichtbaren Stadtbild beigetragen haben und warum Berlin schon von Entstehung an eine Stadt war, die verschiedenste Subkulturen anzog. Ja, ich wollte mehr wissen über diese Stadt, die so unvergleichbar ist zu anderen Hauptstädten. Ein Glück, dass ich Tobi kennen gelernt habe, der sich dieses Jahr als studierter Fachmann verselbständigte und seiner Passion folgt, anderen Menschen historische Kunst- und Kulturecken zu zeigen und darüber zu referieren. Nie wäre ich sonst auf die Idee gekommen, mich in meiner eigenen Stadt bei so einer Touri-Kolonne anzumelden. Tobi Allers, das ist so ein faszinierendes Allwissenskerlchen, der mich durch seinen unverkennbar spitzgezwirbelten Vollbart mit eingeflochtener Feder an eine Figur aus dem Zauberer von Oz erinnert.

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Short Review (Hier nun wirklich short, weil ich auch schon immer eine Niete war, wenn der Geschichtslehrer mich fragte: ‘Sandra, kannst du bitte die letzte Stunde zusammenfassen.’ Deswegen nur ausschnitthaft exemplarisch, an anderer Stelle stichpunktartig, evtl abgehackt.): Los ging es am Hackeschen Markt. Eine kurze Erklärung zur geographisch vorteilhaften Lage Berlins sowie zu den formgebenden Eiszeiten und seinen Gletschern (bspw. Prenzlauer Berg) später, hält Tobi eine Karte von der Doppelstadt Cölln-Berlin in den Händen. Dieser Fakt ist kein Geheimnis mehr für mich, aber als er eine weitere Karte zückt, auf der Berlin in seinen kurfürstlichen Zeiten abgebildet ist und aus dem Nähkästchen des Fürstentratschs berichtet, staune ich nicht schlecht. Die sternenförmige Mauergestaltung als Festungsanlage rund um Berlin hat aus der Vogelperspektive einen ästhetisch besonderen Reiz und als Tobi dieses Merkmal für mich auf das heutige Stadtbild überträgt und sichtbar macht, bin ich total aus dem Häuschen.

Subkulturen habe es damals schon noch und nöcher gegeben, Berlin als kleine zart besiedelte Stadt, musterte sich abhängig vom regierenden Fürsten zu einer jungen und aufstrebenden Metropole, die aber nach wie vor mit zu jener Zeit 55.000 Einwohnern London (damals ca. 500.000 Ew) und Paris (damals ca. 600.000 Ew) hinterherhinkte. Dafür waren es dann in dem 1920er Jahren explosionsartig 4.5 Millionen, mehr als heute.

Ein kurzer aber nennenswerter Schwank aus dem Hobrecht-Plan beim Marsch über den Hackeschen Markt, ich sag nur General Hacke, dann rein in die Höfe, von dort aus auf die Sophienstraße. In jener erfuhr ich, was Martin Luther King und die mecklenburgische Venus gemeinsam haben, ein paar Schritte weiter, warum die Große Hamburger Straße auch die Straße der Toleranz genannt wird und wieder ein paar Lacher später, warum Berlin im preußischen Sinne als eine moderne Stadt gilt.

Tobi macht mich schließlich an der Ecke Auguststraße wahnsinnig stolz auf meine Stadt, als er nur so mit Zahlen, Daten und Fakten über die weltweit einmalige Kunst- und Galerieszene um sich schmeißt. Richtung Westen auf der Auguststraße verpasse ich dann ein paar Details, weil ich in einem Hauseingang einen Karton mit Zu-Verschenken-Krimskrams entdeckte, steige aber wieder ein, als wir vorbeiziehen an den Kunstwerken und dem me collectors room mit seiner Wunderkammer Olbrich (anscheinend werden dort u.a. ein Schrumpfkopf und Narwalzahn ausgestellt).

Tobi kann zu jeder Kunst- und Kulturecke etwas erzählen, jedes Mal ist es auch interessant für meine Ohren. So erfahre ich von der ersten jüdischen, weiblichen Rabbi und von Berlin als ein Ausnahmezustandsort nach dem Krieg, der seitdem herrschenden und einzigartig, nicht zu bändigenden Club- und Feierkultur und wie Berlin und seine Bevölkerung in den Nachkriegsjahren sowie rund um den Mauerfall mit der plötzlichen Freiheit umgingen. Dazu schlägt Tobi einen Bildband auf, Berlin Wonderland, welcher sehr eindrucksvolle Fotos aus diesen Zeiten bereit hält.

Durch die Heckmann Höfe durch, mit einem Stop bei der Bonbonmacherei, treten wir auf die Oranienburger Straße, machen kurzen Halt beim Monbijoupark, erfahren wieder etwas neues über die Mistresse des Fürsten Friedrichs und warum Angela Merkel lieber manchmal noch zur Rohrpost greift anstatt eine Email zu schreiben. Den krönenden Abschluss macht Tobi im Haus Schwarzenberg, bei dem er eine wunderschöne Anekdote vom sogenannten Stillen Held Otto Weidt erzählt, der wohl im kleineren Umfang mit seiner Blindenwerkstatt einen Deal im Schlindlers-Liste-Stil durchgezogen hat.

Die Tour dauerte insgesamt ca. 2,5 Stunden und spannte einen perfekt abgesteckt historischen Bogen von der Gründung über die Kurfürsten-Kaiserzeit, zu den Kriegs-Nachkriegsjahren bis hin zum geteilten und wieder vereinten Berlin in all seinen bunten und abenteuerlichen Facetten. Ich will mehr!

Mehr Infos zu Tobi und Berlin Kultour findet ihr entweder auf Facebook oder dem Blog.

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