HOUSE-COOKERVIEW MIT PEREL

Die andere Art, DJs beim Mixen über die Schulter zu schauen ist das HOUSE-COOKERVIEW, ein Interview in den Küchen bei DJs der House/Elektroszene, die ihre Leibspeise kreieren – durchgeführt von OUTSTRIPPED. GUTEN HUNGER!

SHORT THOUGHTS OF HOUSE-COOKERVIEW

Und plötzlich finde ich mich wieder und zwar im Hause Perels. Ich bedanke mich herzlich nachträglich für die Einladung zum selbst gekochten Dinner, welches das erste in meiner Serie eines neuen Formats sein wird: House-Cookerview mit…einem DJ aus der House/Elektroszene. Zu guter Musik gehört gutes Essen und es ist kein Geheimnis mehr, dass sich unter den DJs meisterhafte Hobbyköche befinden. Cookingevents werden immer mehr Teil von Festivals und auch hier sollen die beiden Themen Food&Music eine gemeinsame Rolle spielen. In erster Linie soll mich der oder die DJ von seinen/ihren Kochkünsten begeistern bevor es zum Plausch bezüglich Person und Musik kommt. Spannend wird es zu sehen, wie DJs ihre Zutaten zu einem Gericht mischen, statt Beats hinter dem Pult. Ich hoffe auf gutes Essen und interessanten Austausch mit musikalisch kulinarischen Aspekten. Ein weiterer Clue in der Story wird sein, dass der DJ, bei dem ich speisen werde, drei weitere nominieren wird, zu denen ich mich anschließend einladen werde. Mein erstes House-Cookerview mit Perel gibt es jetzt hier.

SPAGHETTI MIT HOUSEEIGENEM PESTO, DAZU SALAT MIT APFEL UND ROTEM BEAT AN HONIG-SENF-SAUCE

OPENER

Ich bin zu Gast bei PEREL, besser gesagt Annegret, deren Name eine südafrikanische Ableitung von ‚Perle’ ist. Sie ist durch und durch ein Naturmädchen mit blonder Mähne und sonnigem Auftreten. Aufgewachsen inmitten des Erzgebirges unter Schafen und Kühen, wird mir eine übergroße Portion Herzlichkeit schon bei der Begrüßung an der Türe entgegen geworfen.

Wir treffen uns an diesem Herbstabend zum ersten Mal. Ich betrete eine warm eingerichtete Wohnung in Kreuzberg unweit des Görlitzer Parks, in der sie zusammen mit ihrem WG-Musiker-Kompagnon NICO BULLA und ihren zwei Katzen Hildegard und Karlsson wohnt.

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COOKING

Wir sind beide merklich etwas aufgeregt, doch spätestens nach dem ersten Glas eines vorzüglichen Rotweins hat sich das in Luft aufgelöst. Ich darf am Tisch Platz nehmen – Perel in ihrem roten Mützchen bekocht mich und fängt an, den Salat vorzubereiten. Es gibt Salat mit Apfel und roter Beete in einer Honig-Senf-Sauce. Dazu lauschen wir zu Swingmusik. Generell kochen Nico und sie viel selbst und sehr gerne, denn Nico eröffnet in Friedrichshain bald seinen eigenen Maultaschenladen, in dem die original schwäbischen Teigtaschen eigenhändig und jeden Tag frisch hergestellt werden sollen. Ein weiterer Beweis dafür, dass die Kulinarik im fachmännischen Stil in der Elektroszene schon längst angekommen ist.

Bei Perel läuft es musikalisch sehr gut. Mit ihrer ersten EP Body Talk feat. Abba Lang und der neuen Booking Agentur JACKMODE im Rücken gilt sie als insgeheime Newcomerin im Produzenten/DJ-Himmel des House-Mekka Berlins. Seit diesem Jahr widmet sie sich nun voll und ganz dem Leben einer Musikerin und hat der normalen alltäglichen Berufswelt abgedankt. Perel probiert die Salatsauce, „Kann man total machen!“, schaut dabei verzückt drein.

RECIPE

Dabei ist ihr Rezept für eine gute Salatsauce ganz einfach: Senf, Honig, Balsamico, Olivenöl (dieses muss allerdings von Demeter sein; Perels persönliche Empfehlung, wegen der dezenten Schärfe, die schon mit den Oliven einhergeht.)

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MIXING

Anschließend kommen die Pinienkerne für das selbst gemachte Pesto vorab in den Mörser. Wir hören von ABC ‚The Look of Love’, Perel singt mit. Ursprünglich hat sie in Halle Soziologie und Interkulturelle Kommunikation studiert, doch die Musik bestimmt schon seit der Kindheit ihr Leben: ob am Klavier der Omi oder später mit verschiedenen Bands im Elektro-Pop Bereich, bei denen sie damals schon die Tracks mit Ableton produzierte. Irgendwann versuchte sie sich als DJ und legte zunächst mit Ableton auf. Heute mixt sie mit CDJs und wirft auch mal ne Platte dazwischen.

 Passend zum Thema kommt ihr Mixer zum Einsatz, den sie liebevoll ‚Shake-Machine Hamilton Beach’ nennt, weil es draufsteht. Dann geht’s los: gemörserte Pinienkerne zusammen mit frischem Basilikum, Olivenöl und Parmesan aus der Packung werden von Perel miteinander kleinst gehäxelt und vermischt.

Ich frage Perel nach ihrem Musikvideo zu ihrem ersten Track BODY TALK. Sie schwärmt von künstlerischen Grafiken, würde es als ein typisches Old School 80s Video mit einer Menge Symbolik bezeichnen und findet es einfach stylomäßig. Währenddessen presst sie eine riesen Knoblauchzehe in das Pesto, verfeinert mit Salz und Kräutern: „Wer sich einen Freund angelt, der keinen Knobi mag, hat doch ein echtes Problem. Ich glaube, das wird eine echt feine Sache!“ Und schleckt dabei genüsslich den Löffel Pesto ab. Während Perel kocht hab ich bereits mein zweites Glas Wein schon fast leer. Die Spaghetti kochen derweil und ich freue mich auf den knoblauchigen Schmaus.

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INTERLUDE

Während wir genüsslich essen und zwar vegetarisch, schwärmen Nico und Annegret von ihrem Lieblingsburgerladen mit dem unschlagbaren Cheeseburger um die Ecke, dem PIRIS. Ich dagegen kann einem Cheeseburger in dem Moment nichts abgewinnen, denn die aromatischen Pesto-Spaghetti in Kombination mit dem Salat schmecken einfach nur genial. Ich bin völlig aus dem Häuschen und die Katzen auch, denn es wird gebettelt ohne Ende.

Perel ist es wichtig, draußen in der Clubszene als Produzentin wahrgenommen zu werden. Durch ihre Gesangsausbildung wurde sie zu oft als House-Vocal-Mäuschen abgestempelt und sie stört es extrem, dass die meisten Typen davon ausgehen, sie selbst habe gar nicht produziert, obwohl sie tagein – tagaus in ihrem Studio sitzt und sich einfach die ehrliche Anerkennung für ihre Arbeit wünscht, ohne Rechfertigung – Pasta – Punkt.

Zu viel Knoblauch kommt auch für mich nicht in Frage und deshalb genehmige ich mir Nachschub eines sensationellen Dinners. An Berlin schätzt sie den Aspekt ungemein, dass sie hier viele Gleichgesinnte getroffen hat, die ihre Passion teilen genauso wie den Gegensatz dazu, dass es wiederum keine Sau interessiert, was du machst oder wie du aussiehst, wenn du raus gehst. In Berlin gibt es immer (noch) jede Menge Platz zur freien Entfaltung.

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TASTING

Sie möchte sich nicht allzu sehr an der Berliner Elektroszene orientieren, die ihrer Meinung nach ziemlich festgefahren ist, weil man kaum mehr offen ist für ‘andere’ Housemusik. Die Berliner Clubmusik sei das Opfer eines deephouselastigen Weichspülganges. Andererseits lebt Berlins Dancemusik von einer stetigen Diversität, die doch noch in Einzelfällen vordringen kann. Als Beispiel hierfür sieht Perel das Label BESTE MODUS mit Cinthie und Diego Krause. ‚Dennoch steht niemals etwas still und letztendlich kann immer kritisiert werden. Who knows, was noch kommen wird?!’ ‚Ja, was denkst du, wie sich die Szene weiter entwickeln wird?’ frage ich. Perel kann sich gut vorstellen, dass der Sound zunehmend rougher wird und insgesamt eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Technos, quasi Detroit, stattfindet. Dennoch schätzt sie die Möglichkeiten der deutschen Musikszene eher begrenzt ein, weil es für sie ein typisch deutsches Ding ist, meistens auf Nummer sicher zu gehen. Sie selbst möchte experimentieren – ursprünglich aus dem Hip Hop Bereich kommend (bei diesem Fact zählen wir beide unsere Lieblingsrapper der 90er auf), möchte sie sich diesen Wurzeln mehr widmen, auch hin zu Off Beats, vielleicht einem Swinganteil, der allgemein mehr zum Arschwackeln anregen soll.

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OUTRO

Ich fühle mich pudelwohl bei Perel, auch wenn ich unter einer Katzenallergie leide, ich sage es ihr aber nicht. Jedenfalls ertappen wir uns beide irgendwann gegen halb eins nachts, wie wir angefangen vom Blockbuster Interstellar, weiter zu einem Buch, welches sich mit der Urfeldforschung beschäftigt, hin zu Menschen mit hellseherischen Fähigkeiten und allgemein von gesellschaftspolitischen Themen sprechen und philosophieren. Der Rotwein, aber auch diese äußerst interessante Gesprächspartnerin machens möglich.

‘Frauen sollen in der House/Elektroszene keine Sonderstellung einnehmen: ich will auf das Label, weil meine Musik geil ist.’ VOILÁ!

DIE NOMINIERUNGEN

Cinthie, Ruede Hagelstein, Marco Resmann

Bei euch wird sich OUTSTRIPPED melden und wehe, es gibt nichts zu beißen!

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UPCOMING

Release Dec. 2014 POLOGRAPHIAPlastic Mountain (Perel Remix)

Second EP CHARLES MANSON – released via DARIUS SYROSSIAN incl. Remix

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